FAMILIENBANDE

Von Normalität kann noch immer keine Rede sein, fast achtzig Jahre nach der deutschen Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, über sechzig Jahre nach der Gründung des Staates Israel. Doch von Familien können wir im Theater jederzeit erzählen, von der kleinsten gesellschaftlichen Einheit, von Menschen und ihren jeweiligen Banden zu einer Stadt, einem Land. Angeregt durch den Fonds „Wanderlust“ der Kulturstiftung des Bundes, machen zwei Theater den Versuch, über zwei Spielzeiten, vier Flugstunden, Sprach- und Systemgrenzen hinweg eng zusammenzuarbeiten. Israelische und deutsche Schauspieler recherchieren gemeinsam in Tel Aviv und proben in Heidelberg, Regisseure inszenieren in drei Sprachen, israelische Bildende Künstler entwerfen in Deutschland erstmals ein Bühnenbild, Dramatiker besuchen das jeweils andere Land und greifen heikle Themen auf. Zwei jugendliche Videogruppen dokumentieren die Arbeit an den Projekten und schreiben einen blog.

Die gemeinsame Produktion von sechs Abenden, die jeweils in beiden Häusern gezeigt werden, ist für uns schon jetzt ein unvergessliches Abenteuer. THEY CALL ME JECKISCH, die erste Uraufführung, dokumentiert drei Generationen von Israelis mit deutschen Wurzeln. Die kommenden Projekte führen uns in den Untergrund von Tel Aviv (UNDERCOVER TEL AVIV), zu Katastrophenübungen nach Heidelberg (PUBLIC MOVEMENT: SAMMELPLATZ), in eine Ehe mit moralisch zweifelhafter Erbschaft (MEDICAMENT), zu einer Familie aus drei Männern mit drei Religionen (MY FATHER) und zu Gutmenschen mit THE PEACE SYNDROME. Wir danken unseren Förderern für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung. Und wir laden das Publikum ein, an diesem Abenteuer teilzuhaben.

Avishai Milstein,Jan Linders,

Teatron Beit Lessin, Tel AvivTheater und Orchester Heidelberg